Sehnsucht, die bleibt
Ich trage eine Sehnsucht in mir,
die leise begann und mit den Jahren lauter wurde,
weil sie nie einfach nur sein durfte,
weil sie so oft keinen Platz fand
oder missbraucht wurde.
Es ist die Sehnsucht nach wahrer Nähe,
nach einem Menschen,
bei dem ich mich nicht erklären muss,
der versteht, warum mein Vertrauen vorsichtig ist
und meine Liebe nichts Leichtes.
Eine brennende Sehnsucht nach jemandem,
der meine Hand hält,
nicht um mich festzuhalten,
sondern um zu bleiben,
auch wenn mein Inneres zerbricht,
die Leere wieder zu laut wird
und alte Ängste wie Schatten über mir schweben.
Diese Leere in mir
ist kein Mangel an Gefühl,
sondern ein Raum, der zu lange leer war,
der von mir zehrt, mich unruhig macht,
die Sehnsucht, die in mir wie ein Feuer brennt,
während die Angst alles bewacht,
was schon einmal zerbrochen ist,
und mich fast verrückt macht,
weil sie gleichzeitig warnt
und mich nicht loslässt.
Ich wünsche mir eine Liebe,
die nicht beweisen muss, dass sie echt ist,
sondern einfach da bleibt,
ein Vertrauen, das nicht verletzt wird,
nicht getestet, nicht benutzt,
sondern gehalten,
ein Wir, das sich gegenseitig trägt,
wenn einer wankt,
und gemeinsam wächst,
nicht trotz der Angst,
sondern ihr zum Trotz.
Nicht perfekt,
nicht heil,
aber ehrlich,
ein Wir, das stärker wird,
weil beide bleiben, wenn es schwer wird,
und leichter,
weil niemand mehr allein trägt.
Und während die Sehnsucht brennt
und die Angst zieht,
weiß ich, dass ich mich nicht aufgeben kann,
weil irgendwo da draußen
vielleicht jemand ist,
der mich halten kann,
wie ein leises Licht im Dunkeln,
ohne dass wir uns selbst verlieren.
Und doch hoffe ich,
trotz allem,
dass es jemanden gibt,
der bleibt,
auch wenn mein Inneres schreit
und die Angst niemals endet.
Ein kleiner Funken der Zuversicht,
dass Ankommen möglich ist,
auch wenn jede Faser in mir
noch immer zögert,
noch immer wankt,
noch immer die Gefahr spürt,
zu fallen.
04.01.2026
Wenn nicht mehr hält
Ich trauere um mich
und es kostet Kraft,
die ich nicht habe.
Die Tränen kommen nicht ordentlich.
Ein Teil von mir weint wirklich,
ein anderer hält sie fest,
presst den Kiefer zusammen,
zählt Gründe, warum jetzt kein Platz dafür ist.
Manche Tränen dürfen fallen.
Andere brennen hinter den Augen
und dürfen nicht.
Noch nicht.
Vielleicht nie.
Meine Gedanken sind gleichzeitig klar und zerfasert.
Ich sehe plötzlich alles.
Schonungslos.
Was ich zugelassen habe.
Wie sehr ich mich selbst verlassen habe
für die Hoffnung, gehalten zu werden.
Diese Klarheit schneidet.
Und dann kommt der Nebel.
Dicht. Laut.
Gedanken schwirren,
ohne Worte, nur Schmerz.
Ein Ziehen, das keinen Namen hat.
Zwischen all dem
gibt es diese winzigen Momente,
in denen der Druck kurz nachlässt.
Als würde jemand für einen Atemzug
die Hand von meiner Brust nehmen.
Und sofort danach:
der Zwang weiter zu funktionieren.
Nicht zusammenbrechen.
Nicht stehen bleiben.
Nicht zu viel fühlen.
Um mich zu trauern heißt,
anzuerkennen, dass mir etwas genommen wurde.
Dass mir Dinge passiert sind,
die ich nicht schönreden kann.
Und diese Erkenntnis
ist schlimmer als jede Illusion.
Sie zerlegt alles,
was ich mir erzählt habe,
um zu überleben.
Ich schwanke
zwischen dem Schmerz darüber,
was ich mit mir habe machen lassen
für etwas, das ich Liebe genannt habe
und dem noch tieferen Schmerz darüber,
dass es nicht nur mein Anteil war.
Dass es nicht nur falsche Entscheidungen waren.
Dass da Grenzen überschritten wurden,
während ich zu müde war, sie zu verteidigen.
Trauer um mich ist kein sanfter Prozess.
Sie ist schwer.
Sie macht mich langsamer.
Sie frisst Kraft.
Und trotzdem passiert sie.
Nicht, weil ich stark bin.
Sondern weil nichts mehr übrig ist,
das mich noch zusammenhält.
Nicht ich.
Der Widerstand ist zuerst gebrochen.
Vielleicht ist das kein Zusammenbruch.
Vielleicht ist es das erste Mal,
dass ich aufhöre, mich selbst zu verraten
und für mich einzustehen.
Nicht sicher.
Nicht aufrecht.
Aber zum ersten Mal
nicht mehr gegen mich.
Und auch das tut weh.
20.01.2026
Splitterbruch
Ich bin nicht auf einmal zerfallen.
Ich zerfalle in Wellen, immer wieder, jedes Mal ein bisschen mehr,
und irgendwann wurde aus dem Zerfallen ein Nach‑innen‑Stürzen,
eine Implosion unter einer Last, die sich angesammelt hat,
weil ich zu oft Ja gesagt habe,
zu oft gehalten habe,
zu oft funktioniert habe,
während niemand gefragt hat, was das mit mir macht.
Ich bin nicht überfordert.
Überforderung wäre noch Bewegung, noch Druck nach außen,
noch etwas, das man sehen könnte.
Ich bin implodiert, nach innen eingeknickt, zusammengedrückt,
bis es keinen Raum mehr gab für mich selbst,
bis von mir nur noch das übrig war,
was andere sehen wollten.
Mich gibt es nicht mehr als Person,
nicht als Ich mit Konturen, mit Wünschen, mit Grenzen.
Ich bin nur noch das, was gerade gebraucht wird.
Ich werde herumgeschubst von Nutzen zu Nutzen,
nicht von Mensch zu Mensch,
nicht von Nähe zu Nähe,
sondern von Funktion zu Funktion.
Austauschbar. Ersetzbar.
Jederzeit ersetzbar, wenn ich kurz nicht aufpasse.
Meine Gedanken schneiden mich wie Scherben.
Sie zerschmettern mich in kleinere und kleinere Stücke,
bis nichts mehr übrig bleibt,
das man zusammensetzen könnte,
bis ich mich selbst verliere
und selbst das Wort „ich“ sich fremd anfühlt,
wie etwas, das mir einmal gehört hat
und jetzt schon wieder vergessen ist.
Worte sind Lüge und Wahrheit zugleich.
Sie sind zu viel, wenn ich sie ausspreche,
zu wenig, wenn ich sie verschlucke…
sie kippen, sie verrutschen,
sie treffen nie den Kern von dem,
was in mir reißt.
Während Stimmen in mir gleichzeitig zu laut
und zu leise sind,
mich antreiben und niedermachen,
mich zwingen weiterzugehen,
obwohl längst keine Kraft mehr da ist.
Ich will schreien, flehen, weinen,
bis endlich etwas nachgibt,
aber es kommt nichts heraus.
Nur dieses automatische „alles gut“,
dieses verdammte Lächeln,
das ich gelernt habe zu halten.
Während ich innerlich zerbreche
und nach außen lächle.
Während ich innerlich brülle,
dass ich nicht mehr kann,
gegen unsichtbare Wände schlage und trete,
mich dabei völlig verausgabe
und selbst verletze…
wie ich hoffe, dass endlich jemand sieht,
dass ich nicht mehr will,
dass ich hier raus muss,
bevor ich gänzlich zerbreche.
Ich werde nicht gesehen.
Ich werde benutzt.
Ich werde geduldet, solange ich stark bin,
und fallengelassen, sobald ich müde werde.
Und jedes Mal lerne ich ein bisschen mehr,
dass Nähe an Bedingungen geknüpft ist,
dass Bleiben verdient werden muss,
dass ich mich selbst dafür opfern soll.
Die Einsamkeit ist dicht.
Sie liegt auf mir,
sie presst mir die Brust zusammen.
Sie flüstert mir ein,
dass ich kaputt bin,
dass ich ersetzbar bin,
dass es keinen Grund gibt, mich zu halten.
Ich bin nur gut,
wenn ich etwas leisten, tragen
oder für andere wegstecken kann.
Ich weine nicht richtig.
Ich reiße innerlich auf.
Tränen ohne Ausgang.
Schmerz ohne Zeugen.
Ein leiser Schrei,
der nach innen geht
und dort alles zerkratzt,
während ich weiter funktioniere,
weiter atme,
weiter existiere,
obwohl ich mich selbst kaum noch spüre.
Ich will nicht verschwinden.
Ich will, dass das alles aufhört.
Das permanente Zersplittern,
das dauernde Verlieren
in Erwartungen, die nie meine waren.
Dieses Leben als Material,
als Projektionsfläche,
als etwas, das man benutzen kann.
Und irgendwo unter all dem,
tief vergraben unter Anpassung,
unter Angst,
unter Müdigkeit,
liegt noch etwas von mir.
Zusammengedrückt.
Nicht tot,
aber kaum erreichbar.
Ein Rest von dem,
was einmal gehofft hat,
nicht benutzt,
sondern gehalten zu werden.
Und jetzt nur noch
schreit
und fleht
und weint.
26.01.2026